Was ist los am Deerth?

Die Hagener Wirtschaftsbetriebe (WBH AöR) wollen einen zentralen Forstbetriebsstandort errichten und haben sich dafür den ehemaligen Forstbetriebshof „Im Deerth“ ausgesucht. Hier sei Platz genug für die vielen Gerätschaften und Fahrzeuge zur Forstbearbeitung, heißt es seitens der WBH-Verantwortlichen.
Leider liegt der Deerth verkehrstechnisch nicht besonders günstig, zumal nur zwei schmale Wege, die Deerthstraße und der Elsa-Brandström-Weg, dorthin führen. Das sei, so aufgeregte Bürgerinnen und Bürger zu Hagen Aktiv, für einen zentralen Standort des Forstbetriebes eher kontraproduktiv. Man befürchte, dass der Verkehr auf den aus Wehringhausen zuführenden Straßen, i. e. Gutenbergstraße und Pelmkestraße, stark zunehmen würde und die Deerthstraße den Verkehr nicht aufnehmen könnte – es sei denn, diese würde entsprechend verbreitert. Irritiert zeigten sich die Beschwerdeführenden bei Hagen Aktiv insbesondere auch darüber, warum dort – Im Deerth – ein Seminargebäude entstehen soll und warum die Ansiedlung einer solchen komplexen Liegenschaft in einem ausgewiesenen Landschaftsschutzgebiet überhaupt ohne weiteres genehmigungsfähig sei. Sie fordern: „Auch andere Standorte sollen geprüft werden!“
Hagen Aktiv hat in der letzten Sitzung des Umweltausschusses (UWA) danach gefragt, warum diese Thematik nicht auf der Tagesordnung des UWA sei – immerhin ginge es hier um zentrale Fragen des Umwelt- und Naturschutzes. In der Konsequenz wurde das Thema dann einstimmig mit auf die Tagesordnung des nächsten UWA-Sitzung genommen.
Dr. Josef Bücker, Hagen Aktiv-Vertreter im UWA, zeigte sich zunächst zufrieden mit der Aufnahme der Thematik in die Gremien des Rates. „Eine Behandlung allein im Naturschutzbeirat ist bei Weitem nicht hinreichend und wird auch dem Informationsanspruch der Hagener nicht gerecht“, so Bücker. Aus Sicht der Aktiven sei es eine probate Lösung, den bisherigen Standort am Forstbetriebshof „Im Kurk“ beizubehalten. Auch hier gäbe es zwar Zuwegungsprobleme durch zu enge Wege. Diese könnten jedoch durch eine einfache Verbreiterung der zuführenden Stichstraße von der Straße Im Kettelbach gelöst werden. Aufwändige und teure Zusatzmaßnahmen oder gar Seminargebäude wären nicht erforderlich.

Auch 100 Tage nach dem Start ist noch reichlich Sand im Getriebe des neuen Hagener Rates

Aus insgesamt 11 Gruppierungen besteht er, der neue Hagener Rat. Diese sind: CDU, AfD, SPD, Grüne, HAK, Hagen Aktiv, Die Linke, BSW, FDP, BfHo und die PARTEI. Davon sind originär fünf als Fraktion, fünf als Ratsgruppe und eine als Einzelvertretung gewählt. Alsbald fanden sich aber die sublokal antretende BfHo-Wählergemeinschaft und die europaweit agierende PARTEI – Partei als sechste Fraktion zusammen, so dass schließlich noch vier Gruppen verblieben. Hinzu kommt unterdessen ein parteiloses Einzelmitglied, welches die CDU verlassen hat. Als stärkste Ratsgruppe – gemessen an der Wahlzustimmung – rangiert Hagen Aktiv.
Soweit der Status Quo der Ratszusammensetzung. Dieser scheint derweil soweit geklärt zu sein. Nicht geklärt ist jedoch die Gremienzusammensetzung des neuen Rates. Hier gibt es neu formierte Ausschüsse wie den Wirtschaftsausschuss (WIA), den Infrastrukturausschuss (IA), den Umweltausschuss (UWA), den Stadtentwicklungsausschuss (STEA) sowie den Ausschuss für Chancengleichheit und Integration (ACI). Damit diese richtig an den Start gehen können, muss vorher geklärt sein, wofür sie im Einzelnen zuständig sind. Festgeschrieben wird das in der Zuständigkeitsordnung, die auch die Kompetenzen der einzelnen Gremien festlegt. Darüber hinaus ist natürlich auch deren rechtmäßige Konstitution erforderlich.
Mehr als 100 Tage nach der Konstitution des Rates am 6 November 2025 verbleibt also noch eine Menge an Holz zu bearbeiten bzw. an Sand aus dem Getriebe zu entfernen. Besonders kritisch: der ACI. Hier ist aufgrund von Formfehlern bei der Einladung zur Sitzung die Konstitution misslungen. Alle ursprünglich getroffenen Entscheidungen sind deswegen hinfällig, egal ob Wahl des/der Vorsitzenden; der stellvertretenden Vorsitzenden oder der Delegierten für den Landesintegrationsrat. Neuer Termin hier: der 2. März 2026, fast ein halbes Jahr nach der Integrationsratswahl. Hagen Aktiv hatte hier mit ihrer italienischen Vertreterin Pina Ribaudo (Bild) zunächst den stellvertretenden Vorsitz erreicht. Offen ist, wie hier der zweite Anlauf am 2. März 2026 ausgeht.

Koalitionsvertrag von Hagener CDU & SPD – Hagen Aktiv fragt: „Wo bleibt die Bürgerbeteiligung?“

Zeitung, Internet und Social Media sind heute voll von den Koalitionsvereinbarungen von CDU & SPD in Hagen. Tenor: Mit uns zusammen wird ab jetzt alles besser. Elf Punkte haben sie konkretisiert und öffentlichkeitswirksam ausformuliert. Sie, CDU & SPD, haben zusammen zwar nicht die Ratsmehrheit, bauen aber darauf, dass einige – wenn nicht alle – der acht übrigen Ratsfraktionen und Ratsgruppen mit an Bord sind, wenn es darum geht, diese Ziele umzusetzen. Nicht, dass Hagen Aktiv da grundsätzlich anderer Ansicht wäre. Sicher nicht, denn nicht wenige der Forderungen des 11-Punkte-Papiers könnten auch aus der Feder der Hagen Aktiven stammen. Frage nur, warum die beiden Parteien das nicht schon längst angegangen sind – sie hatten doch zusammen die Ratsmehrheit in den letzten fünf Jahren

Hagen Aktiv hat im Kern zwei Bedenken mit der neuerlichen Situation:

1) Wo bleibt die Opposition in Hagen? Gibt es diese jetzt überhaupt noch? „Ohne Opposition“, so Dr. Josef Bücker, Vorsitzender der Wählergemeinschaft Hagen Aktiv, „fehlt ein wesentliches Regulativ in einem wie auch immer zusammen gekommenen demokratischen Gremium“. Opposition, so der Hagen Aktiv-Chef, sorge für die notwendige Schärfung der Argumente der Mehrheit pro oder contra von geplanten Vorhaben.

2) Wo bleibt die Bürgerbeteiligung? „Hagen Aktiv pocht mittlerweile schon seit fast 23 Jahren darauf, bei der Umsetzung stadtweit wichtiger Planungen und Vorhaben den Bürger mit an Bord zu nehmen“, so Bücker. Im 11-Punkte-Szenario sei davon aber nicht ein einziger Hinweis zu finden. Im Gegenteil: Unter dem Thema Bildung hätten sich CDU & SPD offenbar darauf geeinigt, die notwendige vierte Gesamtschule am Dünningsbruch im Alleingang zu realisieren. Und das, obwohl es hier in Bezug auf den Standort am Dünningsbruch heftigste Bürgerproteste gibt.

„In Zukunft brauchen wir in Hagen unbedingt eine Politik, die auch die Bürgerinnen und Bürger bei wichtigen Entscheidungen aktiv mit einbezieht“ so Bücker mit einem mahnenden Appell an die beiden Koalitionäre von den großen Parteien. Ein möglicher Schritt sei hier die Einführung von Bürgerräten.